Bewusst Genießen Rang 1., 25. September 2008

Slow And Simple

Das Grundprinzip der feinen Küche ist die Einfachheit“ - das Zitat von Johann George Hasekiel ist der Wahlspruch von Jeannette Schnitzler, die sich mit ihrer regionalen Küche und allerlei mideterranen, asiatischen und französischen Einflüssen an die einsame Spitze gutbürgerlicher Küche in Essen gekocht hat. Rumpsteak vom "La Morocha" Rind auf bunter Pfeffersauce (21,50 Euro) lockt, auch ein Cordon Bleu Mediterran vom Kalb (17,50 Euro) - in der Karte ebenso Konsequent wie folgerichtig als Klassiker gekennzeichnet - wäre einmal wieder einen Versuch wert, bestellt habe ich dann schließlich die Involtini vom Wildschwein an kräftiger Rotweinsauce (16,50 Euro) und vorneweg Tomaten-Karottensuppe mit geröstetem Ingwer (6,50 Euro). Neben der Standardkarte hielt eine Angebotstafel - von Peter Schnitzler, verantwortlich für Theke und Service nebst diversen ausführlichen Erläuterungen, zur ausführlichen Begutachtung auf einem Stuhl an unserem Tisch platziert- weiteres Frisches und Saisonales bereit. Die gut sortierte Weinkarte ist da fast schon eine Selbstverständlichkeit. Gekocht wird vornehmlich mit regionalen Lebensmitteln höchster Qualität, auch die Beilagen variieren je nach Jahreszeit und aktuellem Angebot. Das Ergebnis ist in meinem Fall schlicht perfekt : das Fleisch butterzart, die Sauce Welten vom dehydrierten Einheitsgeschmack entfernt, das Gemüse knackig und mit viel Eigengeschmack. Bei soviel Kochkunst wäre selbst ein dreigängiges Überraschungsmenü, wie es donnerstags inklusive Wein und Mineralwasser für fast unschlagbare 26,50 Euro pro Person angeboten wird, ohne jegliches Risiko. Als Gipfel der Einfachheit lockt bei Sonnenschein und warmem Wetter freitags ein „All You Can Eat” - Barbecue (inkl. Vor- und Nachspeisenbüffet für 19,50 Euro) - selbstverständlich auch dies meilenweit entfernt von der gängigen Fast Food-Variante. Im Gegenteil : Schnitzlers sind Mitglied bei Slow Food. Fein, aber unprätentiös, anspruchsvoll, aber unkompliziert, persönlich, aber mit viel Stil.

Essen geht aus! 2008 / 2009, vom Überblick-Verlag


Bewusst Genießen Rang 1, September 2007

Ganz selbstverständlich

Das Ehepaar Jeannette und Peter Schnitzler vollbringt in seinem hübsch gelegenen Restaurant bemerkenswerte Leistungen. Sie in der Küche, er im Service, führen sie das Familienuntermehmen seit zwölf Jahren mit spürbarer Sorgfalt und Freude. Gesellschaften (bis 130 Personen) werden empfangen, Kinder auf Wunsch betreut und allerlei Specials ausgerichtet - so gab es in diesem Sommer des öfteren Wochenend-Barbeques „bei entsprechender Wetterlage”.

Auch als normaler Abendgast fühlt man sich auf eine ganz selbstverständliche Art bestens beraten und bewirtet. Peter Schnitzler erklärt und empfiehlt; eventuelle Extrawünsche sind kein Problem, sondern allenfalls eine Herausforderung, die gern angenommen wird. Seine Gattin hat sich in der Küche keinen festen Kurs auferlegt, höchstens den, mit ausgewählten Produkten stimmige Gerichte auf den Teller zu bringen-sprich : Bio- und Öko-Produkte aus der Region sind angesagt und die Schnitzlers Slowfood-Mitglieder. So könnte man, wenn man denn wollte, eine kulinarische Reise in alle möglichen Richtungen unternehmen und sich vom Fischeintopf à la Côtes d´Azur über ein orientalisches Curry bis hin zum asiatische angehauchten Nudelgericht nach Herzenslust durchfüttern. Und gleichsam die sog. „Nachhaltigkeit” forcieren. Menüs lassen sich in drei Preiskategorien aus verschiedenen Vor- und Hauptspeisen ganz nach persönlichem Gusto zusammenstellen, ein Dessert darf man zumeist aus der Karte aussuchen.

A la carte geht natürlich auch, und so starten wir mit einem behutsam überbackenes Stück Roastbeef auf einem warmen Tomatenbett- für acht Euro ein Genuss, der vorab allemal für zwei reicht. Weiter geht es mit besagtem Lachscurry (17,50 Euro) sowie „dem etwas kleineren Wienerschnitzel” {15.30 Euro). Dessen großer Bruder, so heißt es in der Karte, größer als üblich und wir wollen ja nicht übertreiben. Tatsächlich ist die Portion völlig ausreichend für den normalen Hunger, zart und lecker obendrein. Die dazu gewählten Röstkartoffeln sind gut gewürzt, der Salat ist so frisch als hätte ihn die Bäuerin von nebenan gerade mit vom Feld gebracht -lediglich das Dressing ist etwas unscheinbar.

Das Curry ist keine traditionell indische oder Thailändische Rezeptur, sondern eine verhalten scharfe Mischung aus duftenden Gewürzen, dazu kommt eine fruchtig-süßliche Note, die an ein Chutney erinnert. Definitiv passt es sehr gut zu den zartrosa Fischwürfeln und wird gerne bis zum letzten Bissen verzehrt. Gefreut haben wir uns auch, neben süßen Desserts mal nicht den üblichen Käseteller vorzufinden, sondern Ziegenkäsecrostini mit hausgemachtem Birnenmus (7,70). Die Kombination von fein gekräutertem, warmem Käse auf knusprigem Weißbrot mit dem wunderbar süßen Kompott war ein perfekter Abschluss dieses Abends im Landhaus Schnitzler, das man vorbehaltlos und nachhaltig empfehlen darf.


Herzlich und familiär

In Byfang, hoch über der Ruhr, treffen sich dörfliche Idylle und kulinarische Fröhlichkeit. Bei Schnitzlers geht es familiär zu. Jeanette steht mit einem Azubi in der Küche, Peter macht den Service und gelegentlich hüpft auch das Töchterchen zwischen den Tischen umher. Das Landhaus Schnitzler reiht sich in jenen gastronomischen Strukturwandel im Ruhrgebiet ein, für die etwa auch der Kölner Hof in Frohnhausen oder der Gasthof Brendel in Duisburg Rheinhausen stehen. Die schmale Terasse vorm Haus war bei unserem Besuch an einem sommerlichen Samstagabend gut besetzt. Rundum in der botanischen Umfriedung sprießen allerlei mediterrane Kräuter, die auch Eingang in die Gerichte finden:„Lammrücken mit Lavendel-Jus“ (EUR 19) oder „Kalbsleber mit Rosmarin auf Barolosauce“ (17 EUR).

Die mediterrane Linie verlässt Jeanette Schnitzler immer wieder gern bei ihrem (wöchentlich wechselndem) Angebot, etwa mit „Salatauswahl in Sherryessigvinaigrette mit Heilbuttwürfel in Tempurateig“ (EUR 8) oder „Neue Matjes mit einem Preiselbeer-Meerrettichschmand“ (EUR 7,50).

Uns interessierten allerdings ganz besonders diese Gerichte: „Wildlachs mit Lakritzsauce und Reis“ (EUR 17) und „Maispoularde im Parmesanmantel mit Zuckerschoten“ (EUR 16). Beides war handwerklich tadellos und wurde ohne großes Chichi auf dem Teller präsentiert.
Als Vorspeise gab es eine Tapasplatte (EUR 8), die allerlei leckere Kleinigkeiten bot.
Die Poulardenbrust war rundum mit dem Käsemantel umschlossen, so dass das Fleisch zart und sogar saftig blieb. Zusammen mit den süßlichen Zuckerschoten bildete der würzige Parmesan eine angenehm kontrastreiche Geschmackskombination. Die Lakritzsauce (keineswegs schwarz, sondern gelb) hatte einen Anis-Ton, der ganz entfernt an Salmiakpastillen erinnerte. Zu Lachs und Reis war sie eine herzhafte Ergänzung. Zu beiden Gerichten empfahl Peter Schnitzler einen körperreichen Weißburgunder aus dem Badischen, den er glasweise ausschenkte.

Seine edlen Tripfen bezieht er übrigens von der Weinhandlung Rolf Kaspar, mit der er auch gelegentlich Degustationsmenüs veranstaltet. Zum Abscheid plauderte Peter Schnitzler noch ein wenig mit uns und seine Frau kam aus der Küche, um uns ihre Freude darüber mitzuteilen, dass es uns geschmeckt hatte. Im Sommer freitags Barbecue „all you can eat“ für EUR 17,50.

„Essen Geht Aus“ 2005 / 2006, vom Überblick Verlag


Tradition und Moderne
Landhaus Schnitzler

Jeannette und Peter Schnitzler führen das Landhaus im idyllischen Byfang in der vierten Familiengeneration und wagen dabei den Spagat: ihr Restaurant soll sowohl Ortsansässige (u.a. Vereine) ansprechen als auch viele auswärtige Feinschmecker anlocken. Deshalb müssen Tradition und Moderne geschickt verschmelzen, in der Küche und beim Ambiente.

Das ist den Schnitzlers vortrefflich gelungen. In den hellen Räumen und im schmucken Biergarten läßt es sich herrlich speisen. Auf den Tellern landen herzhafte (saisonale) Gerichte, die genauso gekonnt zubereitet werden wie die frischen mediterranen Speisen. Dabei beweist Küchenchefin Jeannette Schnitzler Kochkunst und Experimentierfreude, während sich Ehemann Peter charmant um die Gäste kümmert - auf vorab geäußerten Wunsch hin engagiert er sogar eine Kinderbetreuung; Spielzeug ist ohnehin reichlich vorhanden. Zu den weiteren Steckenpferden der Schnitzlers gehören die Mottowochen. Auch hier wechseln Saisonales (Wild, Gans) und Mediterranes (Italien, Spanien) einander ab. Unser Besuch fällt in die Toskanawochen. Wir probieren uns durch die Schiefertafel mit den Saisongerichten und durch die Mottokarte. Los geht's mit einem italienischen Vorspeisenteller, der keinen Wunsch unerfüllt läßt: dreierlei Schinken, vielerlei eingelegtes Gemüse, Mozzarella etc. Anschließen entzücken uns eine hervorragend saftige Hähnchenbrust mit Basilikumsauce, Zucchini und Reis sowie der zarte Wolfsbarsch. Der im Ganzen gebackene Fisch wird am Tisch geschickt zerlegt und von Kartoffeln und Gemüse begleitet. Toll! Das gilt auch für den Abschluß, ein hausgemachtes Tiramisu.

Martina Biederbeck & Arne Dessaul

Landhaus Schnitzler
Wo die Liebe hinfällt

Endlich da! Nach einer Hinfahrt über die Dörfer–- nur zu empfehlen, wenn man Zeit hat, sonst zackzack über die B 227–- mit allerlei Wetterkapriolen kommen ernsthafte Zweifel auf, weil sich am Fuße des Nöckersbergs eine Wasserpfütze zu einem kleinen Teich entwickelt hat und meine alte Kiste zu 50% unter Wasser steht. Oben auf dem Berge bei Familie Schnitzler stelle ich den schwer qualmenden Wagen ab und betrete das Wohnzimmer, äh die Gaststube. Gemütlich ist es hier, mit angenehmen Farben, unaufdringlicher Deko, gemalten Bildern, Bücherregal, Kinderspielzeug, im Hintergrund läuft entspannter Bar-Jazz. Hier lässt es sich aushalten. Ein fröhlicher, gut gelaunter Chef kommt zum Tisch und erzählt auf Nachfrage (!) seine Familiengeschichte. Auch er kam von weit her, noch viel weiter her als ich, nämlich aus Amerika. Er ist als Kind und Jugendlicher mit seinen Eltern durch die halbe Welt gereist und fand dann hier in Essen-Byfang auf dem Nöckersberg seine große Liebe: Jeannette Schnitzler. Die steht gerade in der Küche und wartet auf unsere Order: das nette Gespräch hat den Appetit nicht verkleinert. Vom Tagesmenue (15,50 € – Hirschragout in Cassissauce mit Kartoffelgratin und Salat, als Dessert Joghurteis mit Kiwi – „klaue“ ich mir das „cremige Kräutersüppchen“ mit Ingredienzien aus dem eigenen, Vertrauen erweckenden Garten. Ein feiner Magenöffner für die folgenden Lammkoteletts "Provencale" an grünen Nudeln mit frischem Blattspinat (14,00 €). Zuvor gab es übrigens etwas Brot mit Bärlauchcreme. Anschließend noch ein paar karamelisierte Crepes mit Früchten und Vanilleeis (6,00 €), und Zufriedenheit stellt sich ein. Ich hätte natürlich auch japanische Mie-Nudeln mit Gemüse und Pilzen aus dem Wok (11,00 €), Spanferkelrücken (12,50 €) oder gar ein amtliches Chateaubriand für zwei Personen (40,00 €) aussuchen können - täglich wechselt hier die Karte. Weingenießer haben hier übrigens ihre Freude an verschiedenen offenen Flaschenweinen aus Deutschland, Italien, Spanien oder Frankreich. Zum Chillen quatsche ich noch ein wenig mit dem Chef und erfahre, dass es hier von Mai bis September immer freitags »Barb'q“ auf der Gartenterrasse gibt (15,50 € – all you can eat), dass man hier prima Feste feiern kann, dass Kinder hier haufenweise Spielzeug und den Garten nutzen dürfen, dass es immer wieder Aktionen wie etwa die „Toskana-Wochen“ geben wird, dass man auch Gerichte außer der Reihe bekommen kann, wenn die Zutaten dafür da sind. Man fühlt sich schnell heimisch und willkommen hier, das ist wirklich sehr angenehm. Der Wechsel vom rustikalen Ausflugslokal zum gehobenen gutbürgerlichen Familienrestaurant mit mediterranem Einfluß vor fünf Jahren macht Sinn und ist gelungen. Der Trip auf den Nöckersberg war ein voller Erfolg und schreit nach Wiederholung.

Wir freuen uns über jeden Presseartikel und möchten Ihnen über diese Seite die Gelegenheit geben die Artikel selbst zu lesen– nur nicht auf Papier, sondern „virtuell“....

Viel Spaß dabei!

aus: Essen Geht Aus!